Thema: "Tierethikô - Gedanken zum Weihnachtsfest

Leserbrief

Von S. Mollner-Suhr. Fjodor Dostojewski schreibt in seinem Roman „Die Gebrüder Karamasow“: „Du sollst die Tiere lieben. Gott gab ihnen Ansätze des Denkens und ungetrübte Freude. Du sollst ihre Freude nicht stören, sie nicht bedrängen und nicht ihres Glücks berauben.“

Ich habe mich immer schon gefragt: Die Tiere an der Krippe? - Welche Bedeutung haben sie für uns heute – wenn wir Weihnachten feiern?

Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass seit frühchristlicher Zeit Ochs und Esel fester Bestandteil bildlicher Krippendarstellungen sind. Und dies obwohl die beiden Tiere, trotz der erwähnten Futterkrippe, im Lukasevangelium gar nicht auftreten. Bei Jesaja 1,3 heißt es „Der Ochs kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn“. Die vermeintlich dummen Tiere sind klüger als die Menschen und symbolisieren mit dem Judentum und dem Islam zwei Glaubensrichtungen. Andere Auslegungen bezeichnen den Ochsen als „rein“ und Sinnbild des Christentums und den Esel als „unrein“ und Verkörperung aller heidnischen/andersgläubigen Völker. Beide Tiere gelten als sogenannte Lastentiere und sollen verdeutlichen, dass auch Jesus die Lasten seiner Mitmenschen übernahm.

So kommen Lämmer, Schafe, vielleicht auch Hütehunde an die Krippe und sind Zeugen der Geburt Jesu. Symbolisch stehen die Schafe für Wehrlosigkeit und unschuldiges Leiden. In vielen Ländern sind auch noch andere Tiere an der Krippe zu finden, exotische Tiere, wie die Dreikönigstiere, der Elefant (Afrika), das Pferd (Europa) und das Kamel (Asien). „Sie bezeugen: Die Inkarnation Gottes geht nicht nur die geistige Dimension des Menschen an. Die ganze Materie, auch die animalische Welt, ist eine Schöpfungsdimension, die an Weihnachten mit bedacht wird", sagte der kürzlich verstorbene Kapuziner Mönch, Anton Rotzetter. Er kritisierte darüber hinaus, dass der weihnachtliche Festtagsbraten „ein großes Missverständnis ist“. Das Tier werde damit lediglich reduziert auf den Genusswert, auf reinen Konsum. Es lohnt sich darüber nachzudenken. Wie halten wir es mit dem Weihnachtsbraten, der traditionellen Weihnachtsgans oder der gefüllten Pute?

Tiere stehen nicht ohne Grund an der Weihnachtskrippe. „Sie sind nicht einfach Fleischlieferanten oder Nutztiere. Sie stehen auch in einer Gottesbeziehung“, sagte Rotzetter. In der Enzyklika "Laudato si" unterstreicht dies auch Papst Franziskus: „Die Tiere stehen nicht einfach auf der Seite der vergänglichen Materie, sondern sind mit in das himmlische Geschehen eingebunden.

Für Rotzetter war es somit selbstverständlich, dass Gott auch Mensch geworden ist für die Tiere? Er untermauert seine Überzeugung mit dem folgenden Zitat aus dem Johannesevangelium: "Gott ist Fleisch geworden". Nach seiner Überzeugung habe diese Aussage noch mehr Gewicht als das Zitat: "Gott ist Mensch geworden". Für Rotzetter ist „Gott nicht einfach nur Mensch geworden, sondern er ist in die gesamte Wirklichkeit der Schöpfung eingegangen, in das Irdische, in das Sterbliche. Das erzeugt für Mensch, Tier und Pflanze eine neue Zukunft in Gott.“

(Zitate entnommen aus: http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/die-symbolik-der-tiere)