Tiere als therapeutische Begleiter e.V.



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Klippe 2006


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Tiere in der Schule - Rheinisches Jugendheim Halfeshof

An dieser Stelle möchten wir Ihnen einige Eindrücke vermitteln, wie Tiere das Verhalten des Menschen beeinflussen können. Am konkreten Beispiel von Kemal wird dies besonders deutlich.

Zu Beginn unseres Besuches wirkte Kemal - wie übrigens fast alle Jugendlichen in der Klasse - ablehnend und an der ganzen Sache gänzlich uninteressiert. Er war in sich gekehrt, hatte keinen Kontakt zu seinen Mitschülern. In relativ kurzer Zeit tauten er sowie seine Klassenkameraden jedoch dank der beiden freilaufenden Labradore immer mehr auf.

Während des morgendlichen Unterrichts standen die Hunde im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Über die Tiere als therapeutische Helfer gelang es uns, uebungA1.jpg die Schüler aus ihrer anfänglichen Selbstisolierung, Lethargie und ablehnenden Haltung heraus zu animieren. In einer Übung wurde Labradorhündin "Maja" nach einem angenommenen Unfall "notärztlich versorgt"; es sollte ein Verband an der Pfote angelegt werden. Maja und die "Ärzte" fanden das toll.

Besonders wichtig war für uns dabei zu beobachten, wie sich das Gruppenerlebnis mit denmeerschw1.jpg Tieren - in diesem Fall zwei Meerschweinchen - auf das Verhalten der Einzelnen auswirkte. Aus anfänglich sich teilweise sogar aggressiv gegenüber stehenden "Kontrahenten" wurden sich angeregt austauschende "Erlebniskollegen".

 

Auch während der Mittagspause hatten die Jugendlichen Gelegenheit, sich mit den Tieren zu beschäftigen.hundueben1.jpgzweicollies1.jpg

Wir hatten einige kleine Übungen mit den Hunden vorbereitet und wer wollte, konnte mit ihnen über die Wiese toben. Anschließend wurden die Tiere gefüttert.

 

Es gilt festzuhalten, dass nun bereits ein völlig anderes "Arbeitsklima" zwischen allen Beteiligten herrschte. Wir wurden von den Jugendlichen, die auch angeregten Kontakt untereinander hatten, angesprochen, befragt und in Gespräche einbezogen. Man könnte dies geradezu als "Kontrastprogramm" zu der Stimmung bezeichnen, die uns am Morgen entgegengebracht wurde.

In der Mittagspause hatten sich die Jungen eine ziemlich heftige "Kastanienschlacht" geliefert und kamen verschwitzt und erregt zurück in den Unterricht. angstechse.jpg

Als wir uns mit den Reptilien beschäftigten, kehrte von jetzt auf gleich eine spürbare und beobachtbare Ruhe ein. Es war so, als hätte man einen Schalter umgelegt. Das ruhige Atmen der Echse schien sich auf den jeweiligen Jugendlichen, der das Tier gerade auf der Brust hatte, zu übertragen. Bei einem Schüler war dieser Effekt besonders deutlich zu beobachten. Während er die Bartagame (Echsenart) auf seiner Brust hielt sagte er: "Ich kann spüren, wie ihr kleines Herz klopft."

Auch Kemal, anfänglich sehr skeptisch gegenüber der Echse, zeigte dieses Verhalten. An der Bildfolge ist deutlich zu erkennen, wie sich sein Gesichtsausdruck mehr und mehr entspannt. Aus dem anfänglich verkrampften Festhalten wird zusehends ein ruhiges Streicheln.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Halfeshof befindet sich ein Reitstall. Am Nachmittag stand dort ein Besuch auf dem Programm. Bei den Pferden hatte Kemal große Berührungsängste. Es war ihm nicht möglich, dem Pferd seine Hand hinzuhalten, um es so füttern zu können. Er zog seine Hand immer wieder zurück, sobald das Pferd mit seiner Schnauze näher kam, um den Leckerbissen zu bekommen. Er hatte große Angst, gebissen zu werden.

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Auch hier kam es zu einer Unterstützung der anderen Mitschüler. Sie redeten immer wieder mit Kemal, versuchten ihn zu beruhigen und ihm Mut zu zusprechen. Kemal wurde immer aufgeregter. Es fand so etwas wie ein innerer Kampf in ihm statt. Auf der einen Seite stand die Angst, die ihn zur Vorsicht anhielt und auf der anderen Seite sprach ihm der Mut aufmunternde Worte zu. Kemal war von seinen Gefühlen offensichtlich hin und her gerissen. Er versuchte es viele Male, dem Tier doch etwas zu geben, aber es schien ihm nicht gelingen zu wollen.

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Hatte die Angst über den Mut bereits gesiegt? Die Anspannung von Kemal übertrug sich auf die gesamte Gruppe, sie war sogar körperlich spürbar. Einige ballten ihre Hände zu Fäusten, als wollten sie ihm ihre eigene Kraft mitgeben.

Schließlich kam einer Pferdebesitzerin die Idee, Möhren zu holen. Kemal ging mit ihr zum Stall und kam mit einer handvoll Möhren zurück. angstpferdB1.jpgHier entstand eine gemeinsame Aktion, eine Idee wurde umgesetzt. Mit einer langen Möhre gelang es Kemal schließlich doch noch, dem Pferd lange genug seine Hand hinzuhalten, um es mit der Möhre zu füttern.

Zwei Klassenkameraden versuchten, Kemal verbal und auch durch Körperkontakt zu unterstützen. Sie hielten zusätzlich Kemals Arm als er versuchte, dem Tier Futter zu geben. Zum Schluss hatte Kemal seine anfängliche Angst überwunden, es war ihm sogar möglich, einen Huf des Pferdes hoch zu heben.



Am Ende des Projekttages waren sich alle Beteiligten einig, dass ein sehr erfolgreicher Tag hinter uns lag.

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v. l.  Frau Schelthoff, Frau Mollner-Suhr, Frau Neubert und Herr Kötter (Schule), Frau Liebau, Frau Heckhausen-Reinartz, Frau Spenrath

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