Tiere als therapeutische Begleiter e.V.



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Klippe 2006


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Tiere in der Schule - Rheinisches Jugendheim Halfeshof

Halfeshof-Schüler entdecken durch Kontakt zu Tieren im Bio-Unterricht ihre "sanfte Seite"

In der dritten Stunde: Streicheln

(RP). Ein strenger Geruch waberte gestern durch den Flur des Berufskollegs Halfeshof. Kein Zweifel: Im Bio-Unterricht ging`s tierisch zu. Denn einer theoretischen Einführung in das Thema "Haustiere" folgte der Praxis-Test. Im Kontakt mit Hunden, Katzen, Nagetieren und Reptilien gaben sich 18 sonst eher verhaltensauffällige Jugendliche ganz handzahm.

Hat Dennis Hermsmeier plötzlich zugenommen? Nein: Der Berufsschüler hat ein wenige Wochen altes Kätzchen unter sein Sweatshirt gesteckt, um es warm zu halten. "Ich glaube, meins schläft schon", sagt der 18-Jährige gerührt. Auch seine Mitschülerin Svenja Holthausen wiegt gerade ein blinzelndes Katzenbaby in den Schlaf. Die 17-Jährige mag Katzen: "Sie sind so leise und niedlich."

Ungewöhnlich leise waren auch die Halfeshof-Schüler, als sie gestern morgen von der Jülicher Tierärztin Josefine Reinartz über Körpersprache und Pflege von Haustieren unterrichtet wurden. Denn im Klassenzimmer hatten sich bereits in der ersten Stunde drei Labradore eingefunden. "Die Hunde strahlen eine unglaubliche Ruhe aus, die sich positiv auf die Schüler auswirkt", hat Silke Mollner-Suhr einmal mehr beobachtet. Oft bringt die Oberstudienrätin ihre eigene Labrador-Hündin mit, um bei einem gemeinsamen Spaziergang besser an ihre Schüler heran zu kommen.

Die Tierärztin hat Mollner-Suhr bei einer Weiterbildung zur Gestalttherapeutin kennengelernt und mit ihrem Kleinzoo zum Projekttag eingeladen. Denn Tiere dienen als Kontaktbrücke - vor allem zu verhaltensauffälligen Jugendlichen. "Als Marco zu uns kam, war er total verschlossen", deutet die Lehrerin auf einen Jungen, der hingebungsvoll ein Kätzchen streichelt.

"Jetzt sehen Sie ihn sich an." Schließlich hat Marco Gerhardt selbst einen Kater: "Wenn ich nach Hause komme, begrüßt mich Tom." Viele Halfeshof-Schüler haben eigene Tiere. Von ihnen fühlen sie sich bedingungslos angenommen - eine Erfahrung, die ihnen ihre Eltern nicht unbedingt vermittelt haben.

Deshalb setzt die Pädagogin ihren "Tierversuch" fächerübergreifend ein: Im Deutsch-Unterricht beispielsweise werden die Jugendlichen darüber schreiben, was sie empfunden haben, als sie die Tiere streichelten. Während Hassip Mengütas geduldig ein Katzenbaby füttert, hat Svenja sich etwas widerstrebend von ihrem Kätzchen getrennt und krault jetzt ein Chinchilla: "Mehr Fell als alles andere!" Auch Echsen laden zum Streicheln ein - zumindest Merlin Franciszak: "Am Bauch sind die ganz weich", beteuert der Berufsschüler, der sich gleich zwei Reptilien auf die Schulter gesetzt hat.

"Björn, willst du gar keine anderen Tiere kennenlernen?" fragt die Lehrerin. Der Junge hat sein Gesicht im Fell eines Pyrenäer Berghundes vergraben. Zu Hause hat er einen Rottweiler - ebenso wie sein Mitschüler Patrick Mirscheidt: "Mein Rocky lässt sich auch streicheln", betont das Herrchen. "Beißen tut der nicht." Nach der Pause werden Patrick, Björn und die anderen Hundefreunde unter fachgerechter Anleitung mit den Vierbeinern "Gassi gehen". Doch weder dieses noch das Angebot, die Pferdekoppel des Halfeshofes zu besuchen, können Marco reizen: "Ich geh` hier nicht mehr weg", sagt der 17-Jährige und drückt das Katzenbaby sanft an seine Wange.

Von STEFANIE MERGEHENN

Mit freundlicher Genehmigung der "Solinger Morgenpost" (Rheinische Post)

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