Tiere als therapeutische Begleiter e.V.



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Presse

Jülicher Volkszeitung vom 09. Oktober 2002

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Tiere "fahren ab" auf Menschen - und umgekehrt. Hier einige Aktivisten: (v. l.) Tierarzthelferin Anja Spenrath, Dr. Markus Reinartz, Kerstin Martensen (Tierhilfe Jülich), Marita-Anna Liebau und Dr. Josefine Heckhausen-Reinartz.   Foto: Stüber

Neuer Verein setzt auf spezielle Therapie

Tiere geben Schülern Selbstvertrauen

"Sie nehmen uns, wie wir sind- Sie lassen uns sein, wie wir sind", heißt es im Flyer "Tiere als therapeutische Begleiter für Kinder und Jugendliche". Ein neuer Verein in Jülich hat sich zum Ziel gesetzt, diese "tierische Eigenart" zu nutzen und in Schulen sowie vergleichbaren Einrichtungen einzusetzen. Besonders Problemkinder und -jugendliche reagieren auf die Begegnung mit Tieren positiv, bauen Blockaden ab, gewinnen an Selbstvertrauen. Unser Redakteur Karl Stüber berichtet über das Unterstützung verdienende Projekt.

Kreis Düren. Hunde wuseln um den Tisch. Die Jülicher Tierärztin Dr. Josefine Heckhausen-Reinartz und Mitstreiterinnen erzählen über den neuen Jülicher Verein "Tiere als therapeutische Begleiter". Mit Rechts macht der Berichterstatter Notizen und streichelt zugleich mit Links geballte Freundlichkeit auf vier Pfoten. Die Tür geht auf, eine Frau sucht Rat: Ein kleiner Igel will aufgepäppelt werden. Schnell ist eine hausinterne Lösung gefunden. Es geht "tierisch gut ab" in der Runde - und "Mensch" soll auch etwas davon haben. Die Initialzündung hierfür fand im Jahre 2001 statt. Heckhausen-Reinartz absolvierte eine Ausbildung in Gestalttherapie. Bei diesem Ansatz "wird der Mensch als Individuum mit seiner Lebensgeschichte wie auch in Interaktion mit einem sozialen Feld und den gesellschaftlichen Bedingungen als Hintergrund seiner aktuellen Situation gesehen", so das Fachchinesisch.

Was bedeutet das für die Arbeit einer Tierärztin? Die ebenfalls an der Fortbildung teilnehmende Oberstudienrätin und Sonderpädagogin Silke Mollner-Suhr war für die Jülicher Veterinärin die Schlüsselperson für die Antwort. Es entstand das Konzept für Projekttage mit Tieren in Schulen, insbesondere an pädagogischen Einrichtungen mit besonderem Förderbedarf wie Sonderschulen. Mollner-Suhr wurde am Rheinischen Berufskolleg Halfeshof in Solingen (Sonderschule für Erziehungshilfe) aktiv. Die Erfahrungen waren sehr positiv, berichtet Mitstreiterin Heckhausen-Reinartz. Das Konzept soll nun auch auf das Jülicher Land übertragen werden.

Im Juni bewarben sich die Frauen mit ihrem Projekt bei dem so genannten "Startsocial Wettbewerb". Verschiedene Firmen unterstützen preiswürdige ehrenamtliche Projekte. Auch das Projekt der beiden Frauen erhielt ein "Stipendiat" für drei Monate. Dabei fließt kein Geld, sondern erfolgt Fachberatung durch drei "Coaches" - Trainer aus Wirtschaft und Marketing. Empfohlen wurde die Gründung eines gemeinnützigen Vereins. "Tiere als therapeutische Begleiter e.V." wurde Anfang September aus der Taufe gehoben. Erste Vorsitzende ist Josefine Heckhausen-Reinartz. Weitere Ämter: Stellvertreterin Mollner-Suhr, Schatzmeister Ehemann Dr. Markus Reinartz, Schriftführer Detlef Mies. Zwölf Mitglieder zählt man bereits und hofft auf personelle Verstärkung (an Mensch und Tier) sowie Spenden zur Finanzierung der Arbeit. Dabei können die Jülicher Initiatoren an Bewährtes anknüpfen. Heckhausen-Reinartz und Elke Schelthoff unterrichten bereits seit zwei Jahren in einer Tier-AG an der katholischen Grundschule in Jülich.

Akzeptanz ohne Vorbehalt

Hierbei werden Tiere in den Unterricht mitgenommen. Schwerpunkt dabei ist die "Vermittlung von Sachkunde", also wie man ein Haustier artgerecht hält und behandelt. Nun wird es zusätzlich um Jugendliche gehen, die in der Pubertät sind, aber auch um jüngere Kinder mit unterschiedlichen Störungen in ihrer sozialen Entwicklung.

Die oft unsicheren, orientierungslosen, beziehungsgestörten und misstrauischen Schüler erfahren im Umgang mit Tieren bislang nie gekannte vorbehaltlose Akzeptanz - ohne Leistungsdruck, wertfrei, spontan und unverkrampft. Die Mediziner sind überzeugt: Das hat auch heilende Wirkung auf die Seele. Zum Einsatz kommen dabei im Klassenraum ausschließlich ruhige, ausgeglichene und belastbare Tiere, so etwa Hunde, junge Katzen, Reptilien, Meerschweinchen, Kaninchen, Mäuse und Ratten. Auch die Tierhilfe Jülich ist mit im Boot. Tierärztliche Aufsicht sorgt dafür, dass die Tiere keinesfalls überfordert werden und unversehrt bleiben.

Kontaktadresse und Spendenkonto

Sitz des Vereins "Tiere als therapeutische Begleiter" ist die Aachener Straße 2, 52428 Jülich. Kontaktperson ist Dr. Josefine Heckhausen-Reinartz, Tel 02461/2178. Gesucht sind als Mitglieder Tierbesitzer, die bereit sind, ihr Tier zur Verfügung zu stellen oder mit zu begleiten bei einem Projekttag in der Schule, oder pädagogisch geschulte Leute, Tierarzthelferinnen und Tierärzte, aber natürlich auch interessierte Zeitgenossen, die sich sozial engagieren möchten und helfen wollen. Spenden sind erbeten auf das Konto 347070 bei der Sparkasse Düren, BLZ 395 501 10.

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